Team Sky: Looking Ahead

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MALLORCA — Text von Slate Olson

Wir schreiben den 15. Dezember, und das Team Sky ist schon seit zehn Tagen auf Mallorca, wo das Trainingscamp zur Saisonvorbereitung abgehalten wird. Wären die Fahrer und Mitarbeit des Teams nicht hier, hätte das Vanity Hotel Golf in Alcuida geschlossen. Vor dem Haupteingang parkt eine kleine Flotte schwarz-blauer Fahrzeuge; innen verkündet ein riesenhaftes Plakat stolz: „Welcome Team Sky“. Die Mannschaft ist bereits im dritten Jahr vor Ort, und hier soll die Saison 2013 ihren Anfang nehmen.

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Team Sky: Looking Ahead

Radsportfans lieben all die Geschichten über die Teambuilding-Übungen, denen sich, wie man hört, die Radprofis unterziehen, um ihren Mannschaftsgeist zu festigen – wilde Paintball-Schlachten etwa oder Skiwanderungen. Beim Team Sky gibt es nichts dergleichen. Stattdessen frischen die Fahrer alte Bekanntschaften mit Teamkollegen auf oder lernen ihre neuen Kameraden kennen, indem sie genau das tun, was sich dazu am besten eignet: gemeinsam Rad zu fahren.

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Team Sky: Looking Ahead

Für junge Neuankömmlinge wie Joe Dombrowski, Ian Boswell and Josh Edmondson ist dies die Initiation in die höchste Ebene des Radsports. Was die erfahreneren Profis wie Gabriel Rasch, Dario Cataldo, David Lopez und Vasil Kiryienka angeht, kann man mit einiger Sicherheit sagen, dass dieses Trainingscamp nur wenig Ähnlichkeit hat mit allem, was sie in ihrer Zeit bei anderen Top-Teams gemacht haben.

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Team Sky: Looking Ahead

Die Fahrer sind in zwei klar getrennten Gruppen unterwegs: die Gesamtklassements- oder „GC“-Fahrer, die sich auf Rundfahrten vorbereiten, und eine weitere Gruppe, welche die Klassiker in Angriff nimmt. Auf dem Trainingsplan für den heutigen Tag steht für die Klassiker-Gruppe eine siebenstündige Fahrt mit intensiven Intervallen; die Klassementfahrer haben einen harten Fünf-Stunden-Tag vor sich. Solche Einheiten sind für beide Gruppen anstrengend, und man sieht es den Gesichtern der Fahrer an, als sie zurück ins Hotel kommen.

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Team Sky: Looking Ahead

Während die Profis auf ihre Zimmer verschwinden, um zu duschen und die leeren Tanks aufzufüllen, sammeln die fürs Training zuständigen Mitarbeiter die Computer ein und schauen sich die Daten an. All dies gehört zur Strategie von Sky, den Fahrern eine Chance zu geben, ihre Potentiale vollständig zu nutzen. Das ist der Weg, den Sky eingeschlagen hat. Im Zentrum steht „Performance Manager“ Rod Ellingworth, der Mann, in dessen Verantwortungsbereich alle Maßnahmen fallen, die den Aufbau und den Feinschliff der Form seiner Fahrer betreffen. Ich sprach mit Ellingworth, um mehr über das Camp und die Herangehensweise des Teams bei den ersten Rennen der Saison zu erfahren.

Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Dies fühlt sich nicht wie ein typisches Teambuilding-Camp an. Ihr wandert nicht durch den Wald oder übt den „Vertrauensfall“. Kannst du uns etwas über die Herangehensweise des Team Sky erzählen?

Ellingworth: Man kann Teambuilding auch mit anderen Dinge als Radfahren machen, aber da wir letztlich nicht so viel Zeit miteinander verbringen, ist es besser, wenn wir zusammen fahren. Wir fahren nicht so viel mit dem Team, wie wir vielleicht sollten, und daher ist es gutes Teambuilding, einfach hier zu sein und Rad zu fahren. Dass wir ein ganzes Hotel für uns alleine haben, bedeutet, dass wir tun können, was wir wollen.

Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Ihr fahrt in zwei verschiedenen Gruppen, die Klassikerfahrer und die Rundfahrer. Wo liegen die Unterschiede, und wie geht jede dieser Gruppen das Trainingscamp an?

Ellingworth: Wir haben noch keine Klassiker gewonnen, und wir wollen sie nun richtig angehen. Ich denke, wir verstehen jetzt ein bisschen besser, warum es auf der körperlichen Ebene bei den Klassikern geht. Die Idee ist, dass wir die Jungs für Ende März bereit machen; und der Schlüssel dazu ist, mit ihnen als Team etwas früher anzufangen. Wir haben zehn Fahrer, die das gleiche Rennprogramm haben werden, das haben wir schon festgelegt.

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Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Die großen Ziele der Klassementfahrer liegen natürlich etwas weiter hinten im Kalender. Das erste Ziel ist der Giro im Mai. Die Klassikerfahrer müssen im März bereit sein, also ergibt allein das einen Unterschied bei den Trainingsumfängen zum aktuellen Zeitpunkt. Man muss auch sehen, dass die Kletterer in der Regel Jungs aus wärmeren Gegenden sind; und sie schon jetzt dazu bringen zu wollen, so hart zu trainieren wie die Klassikerfahrer, wäre nicht das Richtige.

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Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Der Unterschied liegt nicht so sehr in den Trainingsstunden, sondern in der Intensität. Die Klassiker-Gruppe bereitet sich speziell auf die Eintagesrennen vor, während die Klassementfahrer normale, gleichmäßigere Einheiten abspulen, mit nur ein paar Intervallen. Nichts wirklich Anstrengendes, nur mehr Stunden und gleichmäßiges Klettern in der Gruppe. Ich glaube, bei dieser Gruppe geht es vor allem darum, sich kennenzulernen. Wir haben einige neue Leute in diesem Team.

Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Machen die Klassikerfahrer noch etwas anderes außer Radfahren als Teil ihres Trainingsprogramms?

Ellingworth: Als Teil des Teambuildings der Gruppe verbringen wir etwas mehr Zeit weg vom Rad, in Meetings. Auf diese Weise können die Fahrer mit dem gleichen Verständnis und der gleichen Einstellungen an den Start gehen, wissen genau, was das Ziel ist. Wir haben damit jetzt im Dezember angefangen für Rennen, die Ende März und Anfang April stattfinden. Dieses Verständnis auch außerhalb des Trainings zu bekommen, ist ebenso wichtig. Die Fahrer müssen wissen, warum wir dieses oder jenes machen, eine Menge verschiedener Sachen. Es bringt sie ins Gespräch; so kommunizieren sie mehr und sind besser dazu in der Lage, einander zu verstehen.

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Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Du hast deine eigene Art, über die Dinge beim Team Sky zu sprechen. Gibt es unterschiedliche Philosophien für die Klassikerfahrer und die Rundfahrer?

Ellingworth: Nicht wirklich. Was wir so in etwa gesagt haben, ist „Qualität statt Quantität“. Trainiert Qualität, anstatt einfach nur große Umfänge abzuspulen. Lasst uns Rennen gewinnen, die Qualität haben. Ich denke, jemanden wie Mark Cavendish zu verlieren bedeutet, dass wir nicht ganz so viele Rennen gewinnen werden, aber wir versuchen, bessere Rennen zu gewinnen. Wenn du dir den WorldTour-Kalender anschaust, gibt es immer noch eine Menge Rennen, die wir nicht gewonnen haben.

Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Das Klassikerteam wird vor Weihnachten nach Belgien gehen. Erzähle uns etwas darüber.

Ellingworth: Das gehört noch zu dem Trainingslager, und es geht im Grunde darum, den Fokus auf die jüngeren Fahrer zu legen. Wir haben eine starke Gruppe von Jungs, die glauben, dass sie Klassikerfahrer sein können. Sie kommen nicht aus Belgien, daher können sie die Anstiege nicht regelmäßig abfahren. Diese Anstiege zu kennen und die Kurven zu kennen, die auf sie zuführen, das ist wichtig. Es sind zwei Tage auf dem Rad, an denen sie nicht mehr als ein paar Stunden fahren werden, also werden sie die Gegend wirklich kennenlernen.

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Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Es mag Fahrer geben, die in dieser Region leben und die die Kurse abfahren, aber ich glaube nicht, dass irgendein anderes Team das jetzt tut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Teams wie Quick-Step bestimme Sachen machen werden mit einigen ihrer jungen Fahrer, und es ist klar, dass sie bestimmte Fahrer hervorheben werden, die Ergebnisse erzielen könnten.

Team Sky: Looking Ahead — Teil zwei

Letztes Jahr habt ihr die Tour de France gewonnen, und ihr wollt das 2013 wiederholen und zusätzlich den Giro gewinnen. Was würdest du am Ende dieser Klassiker-Kampagne als Erfolg bezeichnen?

Ellingworth: Für mich ist das eher ein Projekt, das 18 Monate dauert. Egal, ob wir 2013 gewinnen oder nicht – wir könnten zwischen 2013 und 2014 ein paar große Veränderungen vornehmen, denn ich glaube, dass es immer Dinge gibt, die man anders machen kann, um die Fahrer besser auf die Klassiker vorzubereiten. Es ist ein permanenter Prozess. Natürlich wäre es toll, wenn wir entweder Flandern oder Roubaix gewinnen könnten. Das sind die Rennen, die wir am meisten gewinnen wollen.

Team Sky: Looking Ahead — Teil drei

Team Sky: Looking Ahead — Teil drei